Ihr Browser unterstützt keine Applets.

Montag, 16.10.2017

Historisches Spiel in der Regionalliga

Vor Rekord-Kulisse: FCA verdirbt Löwen die Herbstmeisterschaft

Vorzeitige Herbstmeisterschaft? Perfekte Einstimmung aufs Derby gegen den FC Bayern II am kommenden Sonntag? Nix davon!

Mit dem 2:3 (0:1) bei der Augsburger Regionalliga-Reserve kassierten die Löwen am Sonntag nach dem 0:1 in Buchbach die zweite Saisonpleite. Der Vorsprung auf Verfolger Ingolstadt II schmolz auf elf Punkte. Ärgerlicher war die schwache Defensivleistung und der Pyro-Vorfall.

Drei Gegentore sind untypisch für uns, das müssen wir analysieren“, sagte Trainer Daniel Bierofka. „Aber wir haben immer noch einen komfortablen Vorsprung und wie die Mannschaft gefightet hat, stimmt mich positiv.“

Löwen-Fans brechen Zuschauerrekord

Der Andrang war gewaltig in Augsburg, auf den Zubringerstraßen zum Stadion staute sich der Verkehr. Auch der Mannschaftsbus aus München war Teil der Blechlawine. Erst um 14 Uhr erreichten die Löwen die WWK-Arena, der Anpfiff musste um eine Viertelstunde auf 15.15 Uhr verschoben werden.

21219 Zuschauer pulverisierten den bisherigen Regionalliga-Rekord aus dem Jahr 2015 (Regensburg-Bayern II, 15000). Auch die Lautstärke hatte Bundesliga-Niveau. Von der Südtribüne schrien die Löwenfans, aus dem Norden konterten die FCA-Ultras. Solche Dezibelstärken hatte die Regionalliga-Bayern bislang noch nicht erlebt.

Hochklassiges Derby

Rein sportlich war's gehobene Viertliga-Kost, die die Zuschauer geboten bekamen. Die Löwen, bei denen neben Jan Mauersberger (muskuläre Probleme) kurzfristig auch Nico Karger hatte passen müssen, erarbeiteten sich nach ausgeglichener Anfangsphase ein optisches Übergewicht, auch Augsburg suchte zumeist spielerische Lösungen. Die erste Chance für Sechzig bot sich Kindsvater, der ehemalige Burghauser scheiterte mit seinem Flachschuss an Keeper Fabian Giefer (13.). Auch beim Kopfball von Sascha Mölders (35.) war der Ex-Schalker auf dem Posten, lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. Auf der anderen Seite hatte zuvor Marco Hiller bei einem Alleingang von Richter seine Reaktionsschnelligkeit gezeigt, als er den Chip-Versuch mit dem linken Arm klärte (25.).

Schock kurz vor der Pause

Den einzigen Aussetzer der Löwen in der ersten Halbzeit nutzten die Gastgeber zur Führung. Richter hatte sich nach der Auswechlung von Hursan (Gesichtsverletzung) gegen Koussou durchgesetzt, die flache Hereingabe konnte Bekiroglu unbehelligt am Fünfmeterraum einnetzen (42.). Dass das 1:0 auch zur Pause bestand hatte, verdankten die Augsburger Schiedsrichter Markus Pflaum, der nach Ziereis' Kopfball ein klares Handspiel übersah. „Den Elfer kann man geben“, sagte auch Sünder Kilian Jakob.

Effektivität bewies Augsburg im zweiten Durchgang. Mergel im Nachschuss (61.) und erneut Bekiroglu (65.) erhöhten auf 3:1, zwischendurch hatte Ziereis nach Flanke von Kindsvater eingeköpft (64.). Helmbrechts wunderschöner Fernschuss-Treffer (82.) war zu wenig, um die zweite Saisonniederlage zu verhindern. Das Fazit von Markus Ziereis; „Eigentlich haben wir ein gutes Spiel gemacht, aber vor den Gegentoren naiv verteidigt. Das müssen wir nächste Woche gegen Bayern besser machen.“

lk, ffu

Zuschauerrekord in der Regionalliga

Sechzig-Serie gerissen

Löwen-Pleite in Augsburg: Rekord, Frust und Feuer

Vor 21.219 Zuschauern verpassen die Löwen beim 2:3 gegen den FCA II die Herbstmeisterschaft. Die Fans zündeln, Bierofka tobt: "Ich verstehe nicht, warum das einige Idioten nicht kapieren."

Hochkaräter wie Sascha Mölders, Fabian Giefer, Jan-Ingwer Callsen-Bracker. Ohrenbetäubende Fangesänge. Zwei Traditionsklubs. 21.219 Zuschauer. Es roch nach Bundesliga in der Augsburger WWK-Arena. "Einmal Löwe, immer Löwe!", hallte es schon beim Aufwärmen vor dem Duell der Zweitvertretung des Erstligisten gegen Viertliga-Schwergewicht 1860 über den Rasen. Das Festspiel um die vorzeitige Herbstmeisterschaft der Sechzger konnte beginnen – doch der Schuss ging nach hinten los.

Das hochdramatische 2:3 am 16. Spieltag der Regionalliga lieferte – auch dank der über 7.000 mitgereisten Sechzger-Anhänger – eine neue Rekordkulisse. Efkan Bekiroglu (43., 65.) und Artur Mergel (61.) vermiesten den Sechzgern, für die nur Markus Ziereis (65.) und Nicholas Helmbrecht (82.) trafen, die Auswärts-Party jedoch gründlich. Auch die Serien von zwölf ungeschlagenen Spielen in Serie und zuletzt sechs Siegen in Folge sind passé. Frust statt Herbstmeister-Titel!

"Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht, aber es sollte heute nicht sein, den Ausgleich noch zu machen. Natürlich sind wir Favorit und wollen unsere Spiele gewinnen. Dass wir nicht durchmarschieren und jedes Spiel gewinnen, wussten wir aber von Anfang an", sagte Ziereis nach dem Spiel.

Karger verletzt sich beim Aufwärmen

Trainer Daniel Bierofka musste neben den verletzten Leistungsträgern Kapitän Felix Weber und Timo Gebhart auf Abwehrchef Jan Mauersberger (muskuläre Probleme) verzichten, beim Aufwärmen verletzte sich auch noch Top-Torjäger Nico Karger und wurde durch Benjamin Kindsvater ersetzt. Augsburg-Coach Dominik Reinhardt konnte seine Elf dagegen mit den bundesligaerfahrenen Giefer und Callsen-Bracker verstärken – und brachte den Ex-Sechzger Kilian Jakob.

"Auf geht’s Löwen, kämpfen und siegen!" erklang es aus den Giesinger Kehlen – der erste Warnschuss gehörte aber Augsburgs Marco Richter, 1860-Keeper Marco Hiller konnte parieren (12.). Die (doppelte) Antwort? Ein gefährlicher Distanzschuss von Kindsvater (13.) und ein Hammer-Volley von Helmbrecht (14.) – Giefer hatte jeweils Mühe, den Rückstand zu verhindern. Danach häufte Sechzig mehr oder minder gefährlichere Standards an, doch der FCA-Torhüter hatte etwas gegen einen Löwen-Treffer.

Umso gefährlicher die Hausherren: In der 24. Minute tauchte Richter frei vor Hiller auf, der auch das zweite Privatduell für sich entscheiden konnte. Es entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe, bei dem beide Teams ihre Spielstärke aufblitzen ließen. Etwa, als Mölders nach Helmrecht-Flanke vergab (35.). Bekiroglu zeigt sich treffsicherer: Nach starker Richter-Vorarbeit musste er nur den Fuß hinhalten – 1860 lag hinten. Nächstes Ärgernis vor der Pause: Schiedsrichter Markus Pflaum verweigerte der Bierofka-Elf einen Handelfmeter (45.+1.).

Nach dem Seitenwechsel vergab Mölders erneut nach Vorarbeit von Helmbrecht (52.), bevor es hektisch wurde: Erst schien Mergel schon für die Vorentscheidung zu sorgen, als Ziereis zum Anschluss traf und Bekiroglu den alten Abstand wieder herstellte. Aufregung inmitten des Augsburger Torjubels: Die Sechzger-Fans zündelten und sorgen für eine Mini-Spielunterbrechung. Trainer Daniel Bierofka missfiel das gewaltig: "Mich ärgert es einfach, weil wir nicht auf Rosen gebettet sind und jeden Cent umdrehen müssen. Ich verstehe nicht, warum das einige Idioten nicht kapieren. Das sind für mich keine Fans."

Danach warf 1860 alles nach vorne, bevor Wein per Freistoß die letzte Chance vergab (90.). Und so waren es Augsburgs Fans, die sich über die zweite Saison-Pleite der Sechzger freuten – die das Regionalliga-Rennen um die Meisterschaft wieder etwas spannender macht.

Gut gekämpft und gespielt, aber zu viele Chancen liegengelassen.

Stimmen zum 2:3 in Augsburg

"Ein klarer Elfer" - Löwen hadern mit Schiri

21.219 Zuschauer, fünf Tore und jede Menge Aufregung. Das sagen Spieler und Trainer Bierofka nach der 2:3-Niederlage der Löwen in Augsburg. Die Stimmen zum Spiel

Dämpfer für die Löwen. Vor 21 219 Zuschauern verpassen die Löwen beim 2:3 gegen den FCA II die Herbstmeisterschaft. Efkan Bekiroglu (43., 65.) und Artur Mergel (61.) vermiesten den Sechzgern, für die nur Markus Ziereis (65.) und Nicholas Helmbrecht (82.) trafen, die Auswärts-Party jedoch gründlich.

Die Stimmen zum Spiel:

Sascha Mölders: "Augsburg hat 3:2 gewonnen. Wir haben einige Sachen nicht so gemacht wie wir es wollten. Nach dem 1:0 muss ich das 1:1 machen, habe aber nicht mehr damit gerechnet, den Ball zu kriegen. Nach dem 3:1 war es schwer. Wir haben verdient verloren, das muss man auch mal anerkennen. Wir haben vorne die Tore nicht gemacht und hinten zu einfach kassiert. Die Stimmung war Wahnsinn, für mich war es schön zurück zu kommen. Schade, dass wir nicht gewonnen haben, aber so ist Fußball."

Daniel Bierofka: "Es war klar: Ob wir heute gewinnen oder verlieren, würde an der Defensivarbeit liegen. Das haben wir heute nicht gut gemacht - für uns eigentlich untypisch. Nach dem 1:0 hätte es einen klaren Elfmeter für uns geben müssen. Am Ende haben wir nochmal alles nach vorne geworfen, da kann ich den Jungs keinen Vorwurf machen. Man muss auch sagen, dass bei Augsburg beide Innenverteidiger Bundesliga-Erfahrung haben, bei uns ist fast eine halbe Mannschaft ausgefallen. Heute mussten wir uns beugen, das müssen wir so akzeptieren und nächsten Sonntag besser machen."

...über Pyro: "Mich ärgert es einfach, weil wir nicht auf Rosen gebettet sind und jeden Cent umdrehen müssen. Ich verstehe nicht, warum das einige Idioten nicht kapieren. Das sind für mich keine Fans."

...über die Kulisse: "Das war ein tolles Erlebnis. Ich hätte den Fans gerne einen Sieg geschenkt."

Markus Ziereis: "Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht, aber es sollte heute nicht sein, den Ausgleich noch zu machen. Natürlich sind wir Favorit und wollen unsere Spiele gewinnen. Dass wir nicht durchmarschieren und jedes Spiel gewinnen, wussten wir von Anfang an."

... über die strittige Handszene kurz vor der Halbzeit: "Für mich war es ein klarer Elfmeter."

Kilian Jakob (FC Augsburg): "Unser Plan ist aufgegangen, das hat ganz gut geklappt. Wir wollten 1860 nicht zur Entfaltung kommen lassen. Es gab Chancen auf beiden Seiten, vielleicht hatten wir heute auch ein bisschen mehr Glück. Den Elfmeter kann man pfeifen."

Klarer Elfer wurde wieder verweigert, das ärgert Daniel Bierofka

Eklat bei Löwen-Niederlage

Bierofka attackiert Pyro-Chaoten: "Diese Idioten"

Die Fans des TSV 1860 sorgen bei der Niederlage beim FC Augsburg II für Gänsehaut-Atmosphäre. Doch ein paar Chaoten, wohl aus Ultra-Kreisen, verschandeln die Außendarstellung mit einem enthemmten Pyro-Eklat. Löwen-Coach Daniel Bierofka verurteilt die Aktion nach der Partie aufs Schärfste.

Monatelang begeistern die Fans des TSV 1860 mit einer prächtigen Außendarstellung in der Regionalliga Bayern, doch diese bekommt bei der zweiten Saisonniederlage beim FC Augsburg II (2:3) Risse. Und das, wegen ein paar weniger Chaoten.

Das war passiert: Nach 65 Minuten zündeten ein paar Unverbesserliche im Stehblock der Sechzig-Ultras mehrere Bengalos. Beißender Rauch legte sich über die WWK-Arena, in der 21.219 Zuschauer für einen neuen Liga-Rekord sorgten. Pikant: Just, als die Chaoten zu zündeln begannen, kassierte Sechzig parallel das 1:3 durch den agilen Doppel-Torschützen Efkan Bekiroglu.

Spiel musste unterbrochen werden

Schiedsrichter Markus Pflaum unterbrach die Partie unmittelbar nach dem Treffer für wenige Minuten. Zwar gibt es noch keine offizielle Stellungnahme des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV). Doch die Giesinger dürfte nach mehreren Eskapaden einzelner Chaoten in der Abstiegssaison nun die nächste empfindliche Geldstrafe treffen. Chefcoach Daniel Bierofka verurteilte die Aktion nach dem Spiel indes aufs Schärfste.

"Wir sind finanziell ohnehin nicht auf Rosen gebettet, müssen jeden Cent umdrehen. Das kostet den Verein wieder. Ich verstehe es einfach nicht", meinte der 38-Jährige und echauffierte sich: "Ich verstehe nicht, dass diese Idioten nicht kapieren, dass sie dem Verein damit einen Bärendienst erweisen."

Bierofka ist verärgert: "Unbegreiflich"

Bierofka wirkte sichtlich verärgert. Seine Mannschaft hatte nach wiederholten Rückständen einen großen Kampf geliefert, das Gros der mehr als 7.000 mitgereisten Fans das Team beeindruckend unterstützt. Und dann das. "Das sind für mich keine Fans, die sowas machen. Wir müssen darunter leiden, haben nicht die finanziellen Möglichkeiten, dass wir sagen: Das ist scheißegal", sagte Bierofka weiter. "Das tut uns richtig weh. Es ist mir unbegreiflich."

Auch auf die Chaoten war Bierofka sauer.

Randale vor und nach dem Spiel

Über 40 Strafverfahren nach Viertligaspiel zwischen Augsburg und 1860

Rund um das Vierligaspiel zwischen dem FC Augsburg und TSV 1860 ist es zu Randalen der Fangruppen gekommen. Die Bilanz der Polizei: Über 20 Festnahmen und 40 Strafverfahren.

Ein Fußball-Viertligaspiel hat am Sonntag in Augsburg für einen großen Polizeieinsatz und die Einleitung von über 40 Strafverfahren gesorgt. Um rivalisierende Fangruppen zu trennen, setzte die Polizei nach dem Spiel zwischen der zweiten Mannschaft des FC Augsburg und dem TSV 1860 München auch Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Vor und nach der Partie in der Regionalliga Bayern hatte es immer wieder tumultartige Szenen gegeben. Über 20 Personen mussten bereits vor der Partie am Nachmittag in Gewahrsam genommen werden.

Fans warfen unter anderem eine Bierflasche gegen eine voll besetzte Straßenbahn und rissen bei einem Shuttle-Bus die Türverankerung heraus. Insgesamt leitete die Polizei gegen 42 Beschuldigte ein Strafverfahren wegen Landfriedensbruchs ein, wie sie in einer Bilanz-Mitteilung am Sonntagabend schrieb. Die Augsburger gewannen die Partie vor über 20 000 Zuschauern gegen den TSV 1860 mit 3:2 (1:0).

dpa

Auf dem Weg ins Stadion

Bestmarke in der Regionalliga

21.219 Besucher: Löwen knacken Zuschauerrekord

Eigentlich war es schon vor der Partie klar, doch jetzt ist es offiziell: Bei der Partie der Löwen in Augsburg wurde der Regionalliga-Zuschauerrekord geknackt.

Die zweite Mannschaft des FC Augsburg und der TSV 1860 München haben einen Zuschauerrekord in der Regionalliga Bayern aufgestellt.

Zur Begegnung der beiden Fußballvereine am Sonntag kamen 21.219 Besucher und damit fast 6.000 mehr als beim bisherigen Rekordmatch zwischen Regensburg und FC Bayern II im Oktober 2015.

Wegen der Strahlkraft der Löwen und großen Sicherheitsbedenken war das Spiel in das Bundesliga-Stadion der Augsburger, die WWK-Arena, verlegt worden. Die Hausherren setzten sich am Ende gegen den Tabellenführer aus München mit 3:2 durch.

Gute Choreo der Löwenfans

Von wegen Gastfreundschaft!

So wurden die Sechzig-Bosse in Augsburg schikaniert

Für die Blauen war die Reise nach Augsburg eine ziemlich unangenehme - es setzte die zweite Pleite der Saison. Für die Bosse begann das Unheil schon weit vor dem Anpfiff.

Bei den Themen Trennung der Fanlager und Vermeidung von Provokationen erledigte der FCA seine Sache penibel. Auch das Präsidium der Löwen bekam den Eifer zu spüren. Präsident Robert Reisinger wurde trotz Akkreditierung des BFV der Zutritt verweigert, erst nach einem Telefonat mit BFV-Präsident Dr. Rainer Koch durfte der e.V.-Vorsitzende ins Stadion.

Vizepräsident Heinz Schmidt musste seinen Löwen-Schal zum Auto zurückbringen, ehe er reindurfte. Bei Vize Hans Sitzberger war es der 1860-Schriftzug am Hemdkragen, der das Sicherheitspersonal auf den Plan rief. Nach einigen Diskussionen durfte auch er auf seinen Platz. Kommentarlos wollte Sitzberger die Behandlung nicht stehen lassen: „Das war absurd. Ich bin 1860-Repräsentant. Unter Gastfreundschaft verstehe ich was anderes.“

lk

Löwenchefetage

Reine Schikane gegen Reisinger & Co.? Augsburg weist Vorwürfe zurück

Das Löwen-Präsidium fühlte sich bei der 2:3-Pleite in Augsburg vom Ordnungspersonal der WWK-Arena schikaniert, als ihnen vor dem Anpfiff der Zugang in den Innenbereich zunächst verwehrt worden war. “So geht man nicht mit Funktionären und Ehrenamtlichen um. Da könnte ja jeder seine eigenen Gesetze machen. Es kann nicht angehen, dass Hans Sitzberger wegen einem 1860-Aufdruck am Kragen nicht ins Stadion kommt”, schimpfte Ober-Löwe Robert Reisinger am Montag gegenüber der “AZ”.

dieblaue24 bat den FC Augsburg um eine Stellungnahme - darin weist der Erstligist die harten Vorwürfe aus München-Giesing vehehment zurück. “Den Vorwurf der Schikane können wir nicht nachvollziehen - im Gegenteil: Das Ordnungspersonal hat am Sonntag beim Spiel richtig gehandelt”, schrieb FCA-Pressesprecher Dominik Schmitz dieblaue24.

Die Begründung: “Der FCA hat bei der Sicherheitsbesprechung im Vorfeld gemeinsam mit der Polizei und anwesenden Vertretern des TSV 1860 München das Vorgehen abgestimmt und unmissverständlich kommuniziert, dass die Fantrennung konsequent durchgeführt wird und dass es aus Sicherheitsgründen mit Gäste-Fanutensilien keinen Einlass in den Heimbereich der WWK ARENA geben wird. Ebenso klar wurde kommuniziert, dass die BFV-Ausweise keinen automatischen Einlass bedeuten, sondern dass mit diesen Ausweisen an der Sonderkasse im Vorfeld ein Ticket abgeholt werden muss. Dem TSV 1860 München wurde wie üblich ein Ticketkontingent für den Vorstand und weitere Vereinsvertreter zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus gab es keine weiteren Anfragen des TSV 1860 München. Der FCA hat insofern kurzfristig gastfreundlich gehandelt, dass die Vereinsvertreter umgehend noch mit einer Karte versorgt wurden, ohne extra zur Sonderkasse gehen zu müssen.”

Chef von Augsburg Stefan Reuter

Stress für die Löwen?

Nach dem Pyro-Ärger: Das kommt jetzt auf 1860 zu

Einen bitteren Sonntagnachmittag erlebten die Löwen in Augsburg. Bei der 2:3-Niederlage fielen auch die Fans des TSV 1860 unangenehm auf. Wir sagen Ihnen, was die Blauen jetzt erwartet.

Irgendwie fühlte man sich am Sonntag an Zweitligazeiten der Löwen erinnert - allerdings auf eine sehr unschöne Art und Weise. Keine Punkte, Ärger durch Fans, der die Eröffnung einiger Strafverfahren nach sich zieht, und schließlich sogar eine Spielunterbrechung wegen des Zündens von Pyrotechnik waren Merkmale der Partie des TSV 1860 München in Augsburg.

Dabei stand das Spiel eigentlich im Zeichen des neuen Zuschauerrekords, der bei der extra in die WWK-Arena verlegten Partie aufgestellt wurde: 21.219 Zuschauer bei einem Spiel in der Regionalliga Bayern gab es zuvor noch nie.

In Erinnerung wird aber neben der Rekordkulisse auch das Verhalten der Löwenfans in Augsburg bleiben. Seit Saisonbeginn hatte sich der Anhang der Blauen auf den erlaubten Support für ihre Mannschaft beschränkt. Das änderte sich nun beim Gastspiel in der Fuggerstadt.

Eine Strafe durch den Verband droht

Wegen des unerlaubten Einsatzes von Pyrotechnik droht den Löwen im Nachhinein Ungemach. Der Spielleiter der Regionalliga Bayern, Josef Janker, sagte gegenüber dieblaue24, dass der Bayerische Fußball-Verband die Löwen auffordern werde, sich schriftlich zu äußern. Des Weiteren werde der Verband den Bericht von Schiedsrichter Markus Pflaum abwarten.

1860 wird mit Sicherheit aufgefordert, die Namen der Fans zu nennen, die mit Pyro aktiv waren. Nennt der Verein uns die Namen, würde sich das strafmildernd auf das Urteil auswirken“, so Janker weiter. „Bis zu diesem Spiel in Augsburg waren die Löwen-Fans wirklich super - aber das, was jetzt passiert ist, ist keine schöne Sache. Wir wollen Fußball ohne Gewalt und Pyro - das ist mein Wunsch und meine Hoffnung.”

Bierofka: Kein Verständnis für „Idioten“

Eine höhere Strafe aufgrund der Vorkommnisse beim Relegationsspiel gegen Jahn Regensburg müssen die Blauen aber nicht fürchten. „Das wurde mit dem Geisterspiel gegen Nürnberg abgegolten.” Gerade mit Blick auf das Derby gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern München am Sonntag, den 22. Oktober, sollten die Löwen aber zusehen, dass sich die Vorfälle aus Augsburg nicht wiederholen.

Im Anschluss an die 2:3-Niederlage des Regionalliga-Tabellenführers beim FC Augsburg II hatte sich auch Löwen-Coach Daniel Bierofka kritisch zu den Vorkommnissen geäußert. „Ich verstehe nicht, dass manche Idioten nicht kapieren, dass sie uns mit solchen Aktionen einen Bärendienst erweisen“, so der 38-Jährige.

Im Netz wurden die Zündeleien im Löwen-Block ebenfalls aufs Schärfste verurteilt.

Bleibt zu hoffen, dass die Sechzger auf und neben dem Platz wieder ein anderes Gesicht zeigen als am Sonntag. Gerade im Derby mit den kleinen Bayern wären Löwen und Löwenfans, die sich von ihrer besten Seite zeigen, doch ein starkes Statement.

sh

Welche Folgen hat dieser Auftritt?

Kritische Töne im Wirtshaus

Das Präsidentenamt beim TSV 1860 ist alles andere als ein dankbares Amt. “Du hast nullkommanull Lebensqualität”, hatte einmal der unvergessene Karl-Heinz Wildmoser gesagt. Robert Reisinger, der nach dem sportlichen Abstieg den zurückgetretenen Peter Cassalette ablöste, kann ein Lied davon singen. Dass Reisinger nicht nur Schulterklopfer und Freunde im Verein hat, spürte der 53-Jährige auch am vergangenen Donnerstagabend beim ARGE-Treffen der Region 7 in Taufkirchen an der Vils. Der Ober-Löwe bekam bei seinen Besuch im “Wagnerwirt” äußerst kritische Töne zu hören, vor allem die Stadion-Frage spaltet trotz aller Euphorie um den Regionalliga-Tabellenführer weiter den Verein. “Wir können nicht nachvollziehen”, sagte beispielsweise Günther Hölzl, Vorstand der Löwenfreunde Mitterskirchen, stellvertretend für den Großteil der Anwesenden im Saal, “dass 1860 ins Grünwalder Stadion, in eine Bauruine zurückgekehrt ist. Ich mag das Grünwalder, aber 1860 kann darin finanziell nicht überleben. Wir sind jetzt wieder in der Steinzeit. Unserem Fanclub geht es nicht ums Stadion, sondern nur um die Sache: Um den Sport!”

Zwischenzeitlich wurde Reisinger laut mehreren Augenzeugen sogar etwas lauter, nachdem er von den Fans in die Mangel genommen wurde. Hölzl: “Er sagte, dass 1860 die Mehrkosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro nicht auftreiben konnte und auch keine Fortführungsprognose bekommen hätte, gleichzeitig erklärte Reisinger aber auch klipp und klar, dass er nicht Präsident geblieben wäre, wenn 1860 weiter in der Allianz Arena gespielt hätte.” Dass Premiumsponsor MAN beim Arena-Verbleib zusätzlich tausende Tickets gekauft hätte, wollte Reisinger nicht bestätigen. Nach dieblaue24-Informationen war der Plan des Münchner Unternehmens aber, neben der Sponsorgage 50.000 Tickets für fünf Spiele (u.a. Bayern, Augsburg) im Wert von geschätzten 650.000 Euro zusätzlich zu kaufen.

Als der Vorwurf kam, dass viele Fans durch den Umzug ausgesperrt werden, weil nur 12.500 Besucher ins Grünwalder Stadion passen, erklärte Reisinger, “dass in Dortmund auch nicht mehr als 80.000 Karten verkauft werden können und man sich auch bei uns damit abfinden müsse, dass wir jetzt im Grünwalder sind.” Er selbst sei überrascht gewesen, dass 1860 einen Dauerkarten-Boom erlebt habe. Reisinger: “Wir hätten in der Allianz Arena nie so viele Dauerkarten wie im Grünwalder Stadion verkauft.” Rund 7500 Dauerkarten haben die Löwen in dieser Regionalliga-Saison abgesetzt, damit mehr als in der Zweiten Liga. Sollte der TSV 1860 in die Dritte Liga aufsteigen, werde laut Reisinger der Etat auf rund 6 bis 7 Millionen Euro steigen. Wie diese Summe gestemmt werden soll, verriet der Ober-Löwe aber nicht.

Kritik musste sich Reisinger in Taufkirchen auch für die Mitgliederversammlung im Juli im Zenith gefallen lassen. Hölzl: “Aus unserer Sicht haben die Bauchpinsler ihre Redezeit bekommen, die anderen, die das System kritisch hinterfragten, sind abgewürgt wurden. Das ist für uns keine Demokratie. Reisinger hat unsere Vorwürfe dementiert und alles abgestritten.”

Hölzls Fazit zum Reisinger-Besuch: “Der Präsident hat sich gestellt, das fand ich gut. Er hat alle Fragen beantwortet, aber wir wissen nicht, was stimmt und was nicht. Momentan spricht alles für Reisinger. Wir wünschen uns aber, dass er transparanter wird und die Leute mit ins Boot nimmt. Wir als Auswärtige fühlen uns im Moment nicht richtig mitgenommen. Das muss anders werden.”

Robert Reisinger