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Sonntag, 10.12.2017

Dienstag wird die Platte entfernt

Andermatt verzichtet für 1860-Comeback auf seinen Urlaub

Der verletzte Nicolas Andermatt streicht für sein Comeback beim TSV 1860 seinen Urlaub. Lediglich nach einer kleinen OP am Dienstag pausiert er.

Schultereckgelenksprengung - schon allein das Wort tut weh. Wie schmerzhaft muss dann die Verletzung an sich sein? Die fiese Blessur zog sich Nicolas Andermatt am 22. Oktober gegen den FC Bayern II (0:1) zu, der Löwen-Kicker musste operiert werden. Seither konnte der 22-Jährige kein Spiel mehr bestreiten, kämpft aber für sein Comeback.

Andermatt sagte im Gespräch mit der Bild, dass er seit Ende Oktober regelmäßig nach Wasserburg ins Therapiezentrum Corox fährt, um an seinem Comeback zu arbeiten. Am 12. Dezember wird die bei der Operation eingesetzte Platte an der Schulter entfernt. „Danach muss ich eine Woche pausieren“, erklärt er. „Die Zeit verbringe ich dann bei meiner Familie in der Schweiz. Danach geht es zurück nach München. Urlaub mache ich nicht.” Die Freizeit wird gestrichen für das Schuften am Comeback.

Vertragsverlängerung? „Es gab noch keine Gespräche“

„Ende Januar kann ich hoffentlich so ins Mannschaftstraining einsteigen, dass Zweikämpfe möglich sind“, blickt Andermatt voraus: „Im Trainingslager im Februar will ich dann voll dabei sein.” Der TSV 1860 startet am 8. Januar mit dem Laktattest in die Vorbereitung, am 3. Februar fliegt der Löwen-Tross ins Trainingslager nach Oliva Nova (Spanien).

Andermatts Vertrag an der Grünwalder Straße läuft am Saisonende aus, der Schweizer würde am liebsten mit den Blauen irgendwann in der 2. Liga spielen. Dafür müsste der Kontrakt verlängert werden, „es gab aber noch keine Gespräche”, wie der Mittelfeldspieler sagt. Dass 1860 ihn aber halten möchte, dürfte sicher sein.

fw

Nicolas Andermatt

Personal des TSV 1860

Winter-Neuzugänge: Gebhart plus X

Timo Gebhart arbeitet in Dubai an seinem Comeback, die Löwen erwarten ihren Leader sehnsüchtig zurück. Und doch sollen noch ein, zwei Neuzugänge im Winter kommen. "Wir sind mit einem Spieler in Gesprächen relativ weit."

Der TSV 1860 kann sich glücklich schätzen: Der erste Winter-Neuzugang ist unter Dach und Fach. Bestes Fußball-Alter, für Regionalliga-Verhältnisse überragende sportliche Fähigkeiten, Führungsqualitäten. Und er kommt direkt aus der Wüste. Herzlich willkommen (zurück), Timo Gebhart!

Der 28-jährige Sommer-Neulöwe reist am Sonntag nach Dubai. Nicht ab in den Urlaub, sondern ins Hitze-Trainingslager. Fit werden durch Wüsten-Qualen nach seinem Muskelbündelriss. "Wir werden dort acht Tage bleiben, zwei bis drei Einheiten am Tag machen. Ich nehme auf jeden Fall drei, vier Bälle mit, werde aber auch viel auf Sand und im Wasser an meiner Kondition feilen. Wenn alles gut läuft, bin ich bis zum Laktattest am 9. Januar dabei", sagte Gebhart der AZ vor der Abreise mit Physiotherapeut Nick Wurian.

Danach wolle er die Vorbereitung und das Trainingslager im spanischen Oliva Nova (3. bis 10. Februar) durchziehen, so gut es eben gehe: "Ob ich dann alles mit 100 oder 110 Prozent machen kann, müssen wir sehen", so der gebürtige Memminger.

So geht Sechzigs Restrückrunden-Rechnung

In jedem Fall gilt, wie Bierofka kürzlich erklärte: Die Sechzger freuen sich mächtig auf die Rückkehr des Mittelfeld-Bosses, der glatt als Neulöwe durchgehen könnte. Bierofka deutete gegenüber der AZ zudem an, dass es mit einem "echten" Transfer klappen wird, eventuell sogar - entgegen der ursprünglichen Ansage – mit einem zweiten.

Sechzigs Restrückrunden-Rechnung geht so: Gebhart plus X. Der 1860-Coach hatte unlängst darauf verwiesen, dass das finanzielle "Polster" von Geschäftsführer Markus Fauser womöglich für einen Akteur reichen könnte oder die Giesinger sogar ohne Winter-Verstärkungen auskommen müssten.

Jetzt verrät er: "Ich glaube, dass wir einen Neuzugang holen können. Wir sind mit einem Spieler in Gesprächen relativ weit. Einer wird’s wohl werden." Mister X scheint schon im Anmarsch. Sogar Winter-Neulöwe Nummer zwei schloss Bierofka nicht aus: "Schauen wir mal, ob es ein Zweiter wird. Da wird es eng."

Das ist Bierofkas Weihnachtswunsch

Name(n) und Position(en) bleiben geheim, Bierofka verwies darauf, dass er auf der zuletzt als Baustelle gehandelten Position des Rechtsverteidigers mehrere Spieler zur Verfügung habe. Man darf gespannt sein, wen das Christkind bringt.

Angesprochen auf einen möglichen Weihnachtswunsch sagte der Coach: "Am liebsten wäre mir, wenn alle Spieler gesund bleiben würden – das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wir unsere Ziele erreichen."

An seiner Gesundung arbeitet auch Sechzigs zweiter langzeitverletzter Akteur: Nico Andermatt. "Am Dienstag werde ich operiert", erklärte der Mittelfeldakteur der AZ. Dem 22-Jährigen war nach seiner Schultereckgelenkssprengung im Spiel gegen den FC Bayern II (0:1) eine Platte eingesetzt worden, die nun wieder entfernt werden kann: "Danach muss ich zehn Tage pausieren, bis die Wunde verheilt." Dann könne er "wieder loslegen".

Zurück zum Löwen-Leader, dessen Reise von Investor Hasan Ismaik finanziert wird. "Eine tolle Sache", so Gebhart: "Ich würde mich freuen, den Chef kennenzulernen und ihm persönlich zu danken." Den Vorschlag, aus der Schatulle Ismaiks weitere Neulöwen zu spendieren, sollte sich Gebhart angesichts der derzeitigen Lage zwischen Geldgeber und Klub wohl ersparen.

Will in der Rückrunde gestärkt angreifen. Timo Gebhart

Gebhart: "Wir wollen in der Rückrunde noch dominanter werden"

Die Sachen sind gepackt für den Acht-Tage-Trip nach Dubai. Am Sonntagmorgen fliegt der verletzte Mittelfeld-Star Timo Gebhart (28) mit Physiotherapeut Nick Wurian in die Wüsten-Reha - sein Ziel: Den körperlichen Rückstand auf die Kollegen möglichst minimieren. “Wenn alles gut läuft, dann bin ich zum Laktattest am 9. Januar dabei”, sagt Gebhart: “Ich bin sehr glücklich, dass die Spiele gegen Buchbach und im Toto-Pokal in Bayreuth ausgefallen sind. Dann habe ich zwei Spiele im neuen Jahr mehr.” Mit dieblaue24 spricht der ehemalige U21-Nationalspieler vor dem Abflug außerdem über:

den Sieben-Punkte-Vorsprung als Tabellenführer: “Das ist gut, wir sind Erster mit einem Polster von sieben Punkten. Wir können zufrieden sein. Aber in der Rückrunde wollen wir noch besser werden und den Abstand weiter ausbauen. Wir wollen noch dominanter werden. Wenn man das letzte Spiel gegen Schalding sieht: Wir waren nicht schlecht, aber in der zweiten Hälfte haben wir es nach der 3:0-Pausenführung ein bisschen schleifen lassen. Ich finde, da hätten wir noch zwei, drei Tore nachlegen müssen. Wir müssen 90 Minuten das abrufen, was der Trainer von uns verlangt. Wenn die Relegation kommt, müssen wir gewappnet sein.”

sein Lob an Daniel Bierofka: “Bevor die Saison losgegangen ist, wusste man nicht, wie es mit 1860 weitergeht. Man muss den Biero extra loben, aber auch Wolfgang Schellenberg, der einen großen Beitrag geleistet hat, dass ich zurückgekommen bin. Der Trainer leistet unfassbare Arbeit - aber das ist man auch gewohnt von ihm (lacht).

die Besonderheit der Löwen 2017: “Der Mannschaftsgeist stimmt. Natürlich gab es mal den ein oder anderen Spieler, der frustriert war und rumgeeiert hat, dass er nicht spielt - aber den haben wir dann wieder auf den Boden geholt. Wir verstehen uns alle ganz gut, wir funktionieren als Mannschaft. Wir müssen nicht die besten Freunde sein, aber wir müssen verstehen, dass wir für Sechzig alles auf dem Platz geben müssen.”

Tankt Energie in Dubai, Timo Gebhart

1860-Trainer spricht über die Zukunft

Bierofka: "Wir stellen einen Fünfjahresplan auf"

Löwen-Trainer Daniel Bierofka sprach in einem Interview über die Löwen-Bilanz zur Winterpause, Sportchef-Kandidat Benny Lauth, seine Rolle inmitten des Löwen-Machtkampfes zwischen Vereinsbossen und Investor Ismaik und das Szenario eines Nicht-Aufstiegs.

Daniel Bierofka ist nicht zu beneiden, was Stress und Arbeitsumfang im langsam aber sicher zur Neige gehenden Jahr 2017 anbelangt. Der Trainer des TSV 1860 musste den Abstieg seines Herzensklubs mitansehen, halste sich die sportliche Verantwortung für einen Neuanfang auf - und führte seine Sechzger an der Tabellenspitze, wo die Löwen nun überwintern.

Dabei ist weiter völlig ungeklärt, wie sich angesichts der festgefahrenen Situation zwischen dem Präsidium um Robert Reisinger und Investor Hasan Ismaik die Perspektive der Giesinger darstellt. Im Interview mit dem Münchner Merkur sprach Bierofka über...

seine erfolgreiche Wiederbelebung der Sechzger: "Ob’s voll aufgegangen ist, wissen wir erst am Ende der Saison, aber bis jetzt bin ich sehr zufrieden. Der Teamspirit ist herausragend, das betonen auch die Spieler immer wieder. Ein anderes Pfund ist, dass sich die ältere Riege um Timo Gebhart und Sascha Mölders gut im Verein auskennt. Die kann hier nichts mehr überraschen."

seine eigene Transferbilanz und professionelle Strukturen im Aufstiegsfall: "Da war natürlich auch Glück dabei. Irgendwann liege ich mit Sicherheit auch mal daneben - und wir wollen ja auch nicht ewig in der Regionalliga bleiben. Spätestens mit Blick auf die 3. Liga sollten wir uns in allen Bereichen verbessern und Stück für Stück wieder professionelle Strukturen aufbauen. Nach dem Doppelabstieg im Sommer war ja nichts mehr da. Ich bin aber auch überzeugt davon, dass das dann passieren wird.."

Sportchef-Kandidat Benny Lauth: "Grundsätzlich wären mir bei dieser Personalie drei Sachen wichtig: A) Er sollte ein gutes Netzwerk haben. B) Er sollte sich im Verein auskennen. C) Er sollte sehr teamfähig sein. Selbstdarsteller können wir nicht gebrauchen. Wenn es soweit ist, müssten wir uns intensiv mit den Kandidaten austauschen, und was Benny angeht: Bei ihm passen schon mal zwei der drei Punkte..."

den Abschied von Geschäftsführer Markus Fauser: "Noch ist es ja nicht offiziell, aber klar: Ich schätze ihn sehr, er schätzt mich. Als hier im Sommer alles den Bach runtergegangen ist, haben wir gemeinsam versucht, das Boot über Wasser zu halten – da wäre es natürlich schade, wenn das schon nach so kurzer Zeit auseinandergeht."

seine Rolle im Machtkampf zwischen Verein und Ismaik: "Zuerst möchte ich betonen, dass ich absolut neutral bin. Ich stehe weder der einen Seite nahe noch der anderen - mir geht’s ausschließlich um den Klub. Das war auch nicht als Hilferuf von mir gemeint, sondern als Appell, dass man sich noch mal zusammensetzt. Ich will, dass der Klub wieder vorwärts kommt."

die Machbarkeit der Dritten Liga: "Das Finanzielle müsste man Herrn Fauser fragen – oder gegebenenfalls seinen Nachfolger. Für mich als Trainer wäre es auf jeden Fall einfacher, weil du dann wieder im Profibereich bist und Spieler locken kannst, die jetzt noch illusorisch sind. Unser Image ist ja inzwischen auch wieder recht positiv. Und: Die 3. Liga hat eine klare Aufstiegs- und Abstiegsregelung."

das Szenario des verpassten Aufstiegs und die Frage, ob Akteure wie Timo Gebhart zu halten sind: "In finanzieller Hinsicht sehe ich da kein Problem, denn es ist ja nicht so, dass wir gesagt haben: Wir gehen all in, auf Gedeih und Verderb. Bei uns ist alles auf zwei Jahre ausgelegt. Und zur Frage nach der Motivation: Es ist die Entscheidung des Spielers, ob er sich ein weiteres Jahr 4. Liga vorstellen kann. Wir haben ein schmales Budget und können nicht mit so viel investieren wie ein FC Bayern. Was die für ihre zweite Mannschaft zahlen, werden wir nie zahlen können. Ich denke, Timo weiß, was er an 1860 hat. Er wohnt in Memmingen, wird bald Papa - und ich glaube, er fühlt sich auch recht wohl hier."

Sechzigs Perspektive: "Wir sind gerade dabei, das alles zu klären und einen Fünfjahresplan aufzustellen. Im Fußball hängt vieles am Finanziellen, deswegen verbietet es sich, irgendwelche Traumschlösser zu bauen. Es liegt an anderen Personen, das zu klären. Wir können nur versuchen, im sportlichen Bereich alles in die Waagschale zu werfen. Ich hab kürzlich mal eine Trainerliste gesehen – da gibt es kaum einen, der länger als zwei Jahre irgendwo ist. Wenn der Verein einen findet, der besser passt, dann ist das eben so. Ich nehme mich da selber nicht so wichtig."

Daniel Bierofka

Vorerst vier Aufsteiger, aber ...

Regionalliga-Reform: Übergangslösung mit Losverfahren um Direkt-Aufstieg kommt

Der Aufstieg aus der Regionalliga wird doch reformiert. Nachdem bereits über das Scheitern einer möglichen Reform berichtet worden war, einigten sich die Landesverbände am Donnerstag auf eine Übergangslösung.

Eine Blamage gerade noch abgewendet, aber die erhoffte Dauerlösung vertagt: Nach stundenlangen Diskussionen haben die Fußball-Funktionäre aus den 21 Landesverbänden ein Scheitern der geplanten Regionalliga-Reform verhindert. Wie der Deutsche Fußball-Bund am Donnerstagabend mitteilte, einigten sich die Amateur-Vertreter zumindest für den Zeitraum von zwei Jahren auf eine neue Regelung für den Aufstieg in die 3. Liga.

Demnach soll es in den Spielzeiten 2018/19 und 2019/20 vier Aufsteiger aus den fünf Regionalligen geben. Dies soll beim Außerordentlichen DFB-Bundestag am Freitag in Frankfurt verabschiedet werden. Zuvor hatte bereits das Portal Sportbuzzer.de über die späte Einigung berichtet.

Direkter Aufstieg aus der Regionalliga Südwest

Ein direktes Aufstiegsrecht soll demnach jeweils der Meister der Regionalliga Südwest erhalten. Der Meister der Regionalliga Nordost bekommt dieses Recht in der Spielzeit 2018/19. Das Recht auf den weiteren direkten Aufstiegsplatz wird ausgelost. Die verbliebenen beiden Meister ermitteln in Playoff-Spielen den letzten Aufsteiger und bekommen dafür das automatische Aufstiegsrecht in der folgenden Spielzeit. Zwar gibt es damit einen Aufsteiger mehr als bisher für die Regionalligisten, eine Lösung mit Lossystem verwässert aber sportliche Kriterien.

„In einer komplexen Fragestellung, in der sehr viele unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden mussten, ist es uns gelungen, bis zum nächsten Ordentlichen DFB-Bundestag eine Übergangslösung zu finden, die eine deutliche Verbesserung der Ist-Situation darstellt und die von allen Regionalverbänden mitgetragen wird“, sagte DFB-Vize Rainer Koch.

Am Nachmittag drohte das Scheitern

Am Nachmittag war in ranghohen DFB-Kreisen schon nicht mehr mit einer Kompromisslösung gerechnet worden. Eine dauerhafte Neuregelung soll eine Expertenkommission unter der Leitung von DFB-Vize Peter Frymuth bis zum Bundestag 2019 erarbeiten.

Mit der Last-Minute-Rettung wurde auch ein befürchtetes Tohuwabohu beim Bundestag verhindert. Die Debatte um den Aufstieg in die 3. Liga hatte zuletzt groteske Züge angenommen und den Dünkel um Proporz und Einfluss im deutschen Amateurfußball offenbart.

Bei einem Gipfeltreffen mit den Landesverbänden hatte DFB-Präsident Reinhard Grindel am Mittwochabend noch einmal vergeblich versucht, einen Kompromiss zu finden. Auch am Donnerstag zog sich die Debatte lange hin. Zu viele Partikularinteressen mussten befriedigt werden.

Der DFB 2017: Eine einzige Baustelle

Der gesamte Ablauf passte zu der schwierigen Verfassung, in der sich der Verband zurzeit befindet. Überall gibt es Baustellen. Dazu gehören die chaotische Umsetzung des Videobeweises, der Streit im Schiedsrichter-Bereich, die Aufregung um den Grundlagenvertrag mit der DFL und die massiven Steuernachzahlungen im WM-Skandal.

Der Versuch, die Regionalligen zu reformieren, kommt jetzt noch dazu, denn auch dieser Prozess war bislang durch Auseinandersetzungen und ein Gefeilsche hinter den Kulissen geprägt. Auch hier hat sich die DFB-Spitze um Reinhard Grindel mit großem Eifer eingeschaltet, aber letztlich die Dinge nur mühsam in den Griff bekommen.

Das Problem der Regionalliga-Reform ist: Es standen gleich sieben verschiedene Modelle zur Diskussion. Aber bei jedem müsste irgendein Landesverband Zugeständnisse machen, zu denen er nicht bereit ist. Vor allem die Vertreter der neuen Bundesländer beharren wie bisher auf einer eigenen Regionalliga, der Staffel Nordost.

Nordost-Regionalliga freut sich über Kompromiss

„Wir sind uns aufgrund der Mehrheitsverhältnisse bewusst, dass dieser Antrag ein großes Entgegenkommen der anderen Regionalverbände für den Nordosten darstellt. Wir freuen uns, dass wir am Ende unserer hartnäckigen Bemühungen um eine konstruktive Lösung in der kommenden Spielzeit über einen festen Aufstiegsplatz verfügen und werden unseren Beitrag leisten, bis 2019 eine neue, gemeinsame Regelung zu finden“, sagte der Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbands (NOFV), Rainer Milkoreit.

Am einfachsten wäre es, in Zukunft vier statt fünf Regionalligen zu betreiben und jeden Meister am Ende einer Saison direkt aufsteigen zu lassen. Doch dann wäre die Frage: Wo verlaufen die Grenzen? Je eine Staffel im Norden, Süden, Osten und Westen würde die besonders mitgliederstarken Regionen im Westen und Südwesten benachteiligen. Einen Teil der ostdeutschen Vereine in eine Nord-Staffel zu integrieren und den anderen Teil gegen bayerische Vereine antreten zu lassen - das wiederum würden die Nord-Ost-Vertreter nicht mitmachen.

Grindel wirbt für Konsens-Modell

Grindel ist deshalb für ein Konsens-Modell: Danach soll es bei fünf Regionalligen bleiben, aber künftig vier statt bisher drei Aufsteiger geben. Der Meister des Westens und des Südwestens soll jedes Jahr direkt aufsteigen, der dritte feste Aufstiegsplatz nach einem Rotationsmodell an den Erstplatzierten aus dem Norden, Nordosten oder Bayern gehen. Der vierte Aufsteiger müsste in zwei Playoff-Spielen zwischen den Meistern der übrig gebliebenen Ligen ermittelt werden.

Aber auch dafür gibt es keine Mehrheit - aber immerhin nun einen Kompromiss auf Zeit. Auch der DFB-Bundestag kann sich so wieder jenem Thema widmen, das der eigentliche Grund für seine Einberufung war: die Abstimmung über die DFB-Akademie. Jahrelang hat der bisherige Rennbahnbetreiber dieses Prestigeprojekt verzögern können. Jetzt steht aus Sicht des DFB endlich die Entscheidung über den Bau des bis zu 150 Millionen Euro teuren Leistungs- und Verwaltungszentrums auf dem Gelände der Frankfurter Galopprennbahn an. Die DFB-Spitze rechnet fest mit einer überwältigenden Zustimmung.

dpa

Die Regionalliga Bayern

Vier sollen aufsteigen

Die Regionalliga-Reform kommt: So läuft künftig die Relegation

Ab 2018/2019 sollen vier Teams aus der Regionalliga aufsteigen. Bisher war die Relegation ein Glücksspiel, das wird bald der Vergangenheit angehören. Dies stößt nicht überall auf Gegenliebe.

Klar, noch sind die Löwen nicht Meister der Regionalliga Bayern und mögliche Aufstiegsspiele Ende Mai sind in weiter Ferne. Das Schreckgespenst Relegation ist aber schon in den Köpfen. „Wenn du 36 Spieltage lang vorne stehst und wahnsinnig viel investiert hast, dann ist es fast schon unmenschlich, wenn du wegen eines Pfostentreffers nicht aufsteigst“, sagte Daniel ­Bierofka dazu. Bislang sieht der Aufstiegsmodus so aus, dass die Meister der fünf Regionalligen (plus der zweite des mitgliederstärksten Verbandes Südwest) in einer Relegation drei Aufsteiger ausgespielt haben – ein Glücksspiel.

So läuft dann die Relegation

Beim DFB-Bundestag in Frankfurt wurde jetzt eine zweijährige Übergangslösung beschlossen. 2019 soll dann ein Plan für eine viergleisige Regionalliga entwickelt werden, damit wirklich jeder Meister hochdarf. Bis dahin sieht der Plan vor, dass ab der Saison 2018/19 aus den fünf Regionalligen statt bisher drei vier Mannschaften aufsteigen. Im ersten Jahr sollen die Meister der Südwest- und Nordostliga direkt aufsteigen. Aus den drei anderen Regionalligen (Bayern, Nord und West) wird ein Meister ausgelost, der ebenfalls direkt eine Liga höher darf. Die beiden anderen Mannschaften spielen wie gewohnt eine Relegation. In der nächsten Saison verändert sich das Verfahren etwas. Der Gewinner der Regionalliga Südwest steigt weiterhin direkt auf, genauso wie die beiden Meister aus den zwei Ligen, die im Jahr zuvor in die Relegation mussten. Um den vierten Aufstiegsplatz spielen dann der Meister aus dem Nordosten und der zuvor durch das Losverfahren aufgestiegene Meister.

„Sehr viele unterschiedliche Interessen“

„In einer komplexen Fragestellung, in der sehr viele unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden mussten, ist es uns gelungen, bis zum nächsten DFB-Bundestag eine Übergangslösung zu finden, die eine deutliche Verbesserung der Ist-Situation darstellt und die von allen Regionalverbänden mitgetragen wird“, sagt DFB-­Vize und BFV-Boss Rainer Koch.

Doch die neue Regelung stößt nicht nur auf Gegenliebe. Hauke Runge, Präsident der TSG Neustrelitz (Regionalliga Nordost) kündigte bereits ein Stadionverbot für DFB-Präsident Rainer Grindel und Koch an. Ihm passt die neue Regelung überhaupt nicht. Gegenüber der Bild bezeichnete er sie im Vorfeld als eine „Frechheit“. Bei einer geplanten Staffelzusammenlegung würde er sogar freiwillig in die Oberliga zurückgehen.

Seltsame Entscheidungen beim DFB

Löwen fühlen sich benachteiligt

Bierofka über die Regionalliga-Reform: "Komplizierter geht es kaum"

Beim TSV 1860 herrscht Unverständnis über die komplizierte und aus ihrer Sicht unfaire Regionalliga-Reform. Bierofka: "Mit die­ser Re­ge­lung haben an­de­re Ver­ei­ne einen Wett­be­werbs­vor­teil durch mehr Pla­nungs­si­cher­heit."

Nach einem mehrtägigen Hin und Her hat der Deutsche Fußball-Bund eine Regionalliga-Reform für die nächsten zwei Jahre beschlossen. Die Delegierten eines Außerordentlichen Bundestages stimmten am Freitag in Frankfurt am Main mit großer Mehrheit einem komplizierten Übergangsmodell zu, das die 21 Landesverbände des DFB am Vorabend ausgehandelt hatten. Von 259 Stimmberechtigten stimmten nur 11 gegen diesen Kompromiss.

Wirre Reform: Zwei Regionalligen profitieren, die anderen müssen auf Losglück hoffen

Das Modell sieht vor, dass es in den beiden nächsten Saisons vier statt bislang drei Aufsteiger in die 3. Liga geben wird. Der Meister der Regionalliga Südwest erhält in dieser Zeit ein direktes Aufstiegsrecht. In der Saison 2018/19 gilt das auch für den Meister der Regionalliga Nordost. Welche der fünf Staffeln in der nächsten Spielzeit den dritten festen Aufsteiger stellen darf, wird per Losentscheid ermittelt. Die Meister der übrigen beiden Regionalligen bestreiten in der Saison 2018/19 zunächst zwei Playoff-Spiele und erhalten dann ein Jahr später zwei feste Aufstiegsplätze. Gleichzeitig beschloss der DFB-Bundestag die Gründung einer Arbeitsgruppe, die bis 2019 eine endgültige Regionalliga-Reform mit dann nur noch vier Staffeln erarbeiten soll. "2019 muss die Zukunft der Regionalliga final geklärt werden. Hoffentlich im Konsens. Aber wenn das nicht möglich sein sollte, muss es eben eine Abstimmung beim Außerordentlichen Bundestag geben", sagte Vizepräsident Rainer Koch.

Bierofka und Reisinger reagieren mit Unverständnis: Andere Teams haben Wettbewerbsvorteil

Wenig Verständnis haben die Löwen-Verantwortlichen für die neue Reform. In der Bildzeitung beklagt sich Trainer Daniel Bierofka über die Planungsunsicherheit für die Regionalligen, die nicht direkt aufsteigen, sondern aufs Los oder die Relegation hoffen müssen. "Kom­pli­zier­ter geht es kaum. Mit die­ser Re­ge­lung haben an­de­re Ver­ei­ne einen Wett­be­werbs­vor­teil durch mehr Pla­nungs­si­cher­heit. Vor allem bei Gesprächen mit Spielern, die sich die Regionalliga nicht vorstellen können", so der verärgerte Trainer. Durch die neue Regelung haben die Löwen, die in der Regionalliga Bayern spielen, damit einen klaren Nachteil (Lesen Sie hier auch den AZ-Kommentar zur Reform). Deshalb sieht auch der Vereinspräsident direkt nach der Refom akuten Handlungsbedarf: "Sportliche Entscheidungen sollten immer durch einen Wettkampf entschieden werden und nicht durch den Lostopf", so Robert Reisinger in der Bild.

Daniel Bierofka diskutiert mit DFB Vize Koch

Das große db24-Interview mit Bierofka: "Politik? 1860 steht über allem"

Daniel Bierofka ist für den TSV 1860 ein Lotto-Sechser mit Zusatzzahl. Der 38-Jährige hat nach dem Jahrhundertabstieg im Sommer die Hoffnung an die Grünwalder Straße zurück gebracht. Sein großer Vorteil: Bierofka wird von allen Seiten akzeptiert. Der Ex-Nationalspieler hat db24 am Donnerstag in sein Trainerzimmer eingeladen. Das große Interview (über drei Seiten) mit dem Kult-Löwen:

db24: Herr Bierofka, wie fällt Ihr persönliches Fazit für das komplette Löwen-Jahr 2017 aus?

DANIEL BIEROFKA: Zwiegespalten - natürlich. Als Vitor Pereira kam, war ich nicht euphorisch, aber ich dachte schon, dass es mit ihm und den Verstärkungen in die richtige Richtung geht. Ich war am Anfang sehr überzeugt von dem Ganzen. Auch wenn es manche Leute nicht hören wollen: Vitor Pereira ist ein sehr guter Trainer, davon bin ich immer noch überzeugt. Aber es hat einfach nicht gepasst. Vielleicht war im Winter der Umbruch einfach zu groß. Es war nicht möglich, eine Mannschaft zu bilden - da kannst du als Trainer machen, was du willst. Man hat von Woche zu Woche mehr gemerkt, wie nah Pereira das alles an die Nieren gegangen ist. Ihm war der Verein nicht scheißegal. Im Gegenteil. Alles, was da passiert ist, hat weh getan. Das Schlimmste war die fehlende Identifikation der Spieler - das hat mich am meisten gestört. Und dann kam die Quittung: der Abstieg. Das war brutal.

Was ist dann passiert?

Ab dem Tag des Abstiegs war ich im Dauermodus, habe kaum geschlafen. Mit Wolfgang Schellenberg habe ich dann in kürzester Zeit eine Mannschaft zusammengestellt, u.a. mit Timo Gebhart. Dass auch Sascha Mölders und Jan Mauersberger verlängert haben, war natürlich auch gut. Damit hatten wir die Achse. Peu a peu haben wir dann weiter den Kader verstärkt. Wir hatten aber auch Glück, dass uns Daniel Wein zugeflogen ist. Später kamen noch Phillipp Steinhart und Markus Ziereis dazu - da kamen dann auch gute Umstände zusammen, dass wir eine gute Mannschaft zusammen bekommen haben. Wir können schon sehr zufrieden sein, nachdem was alles passiert ist in 2017. Wir stehen sieben Punkte vor Nürnberg, neun Punkte vor Ingolstadt und Bayern. Das kann sich schon alles sehen lassen. Hätte mir das einer vor Saisonbeginn gesagt, hätte ich sofort unterschrieben.

Und es könnte noch besser werden: Vor einigen Monaten hatten Sie gesagt, dass all Ihre Mannschaften in der Rückrunde zugelegt haben.

In der Vergangenheit war’s so, dass meine Mannschaften in der Rückrunde immer erfolgreicher wurden. Wenn ich die Mannschaft da hin bekomme, wo ich sie sehen will, werden wir eine gute Rolle spielen. Vom 4:1 in Memmingen bis zum 3:0 gegen Schalding waren das insgesamt 26 Spiele - das ist ein Pensum, wie es normalerweise nur der FC Bayern kennt. Aber wir spielen ein paar Klassen weiter drunter. Mir blieb überhaupt keine Zeit, richtig mit der Mannschaft zu arbeiten. Das wird 2018 anders, weil wir eine lange Vorbereitung haben.

Wann haben Sie gespürt: Ja, das ist eine Aufstiegsmannschaft?

Relativ früh. Als wir das 0:1 in Buchbach weggesteckt und viele Spiele in der Schlussphase entschieden haben, hatte ich das Gefühl: Ja, das ist Qualität! Die einen sagen, das ist Glück - die anderen sagen: Das ist Wille. Wir haben die Spiele gegen Rosenheim, Nürnberg und Schweinfurt in den letzten Minuten entschieden - das zeigt, dass die Mannschaft einen sehr guten Charakter hat. Die Mannschaft hat aber auch bewiesen, dass sie nach Rückschlägen - wie gegen Augsburg oder Bayern - wieder zurückkommen kann. Das hat mir imponiert. Wenn wir uns dann für die Aufstiegsspiele qualifizieren sollten, denke ich, dass es in diesen zwei Spielen sehr viel um Persönlichkeit und Charakter geht.

Das Gute ist, dass ich den Verein sehr gut kenne und mit ihm auch aufgewachsen bin. Ich kann das alles sehr gut einschätzen. Ich nehme nicht alles komplett ernst, was im Umfeld passiert. Ich kann auch die Kritik in den Zeitungen sehr gut wegstecken. Ich hatte nur Angst, wie die Mannschaft mit dem Druck umgeht. Bei 1860 hast du einen anderen Druck - egal in welcher Liga du spielst. Allein schon durch die Medienpräsenz. Ich mache den Journalisten keinen Vorwurf, sie brauchen Informationen. Ich kenne das ja noch aus der Bundesliga: Werner Lorant ist 1999/2000 mit 1860 Vierter geworden, plötzlich wurde von der Deutschen Meisterschaft gesprochen - und wenn wir uns für den UI-Cup qualifiziert haben, hätte es eigentlich Uefa-Pokal sein sollen. Die Erwartungshaltung bei 1860 ist schon von jeher immens hoch. Die Leute wollen immer mehr als man erreicht hat. Das ist einerseits gut, aber andererseits auch eine Belastung.

Wie können Sie dagegen steuern?

Das ist schwierig. Die Leute werden nicht ihre Meinung ändern. Ich muss versuchen, der Mannschaft das realistisch rüber zu kriegen. Meine Spieler sollen nicht so viel lesen, sie sollen sich auf das Wesentliche konzentrieren - auf die Trainingsarbeit auf dem Platz und auf das Spiel am Wochenende. Man darf sich von den äußeren Einflüssen nicht ablenken lassen - man muss eine gewisse innere Härte aufbauen. Man darf nicht alles in sich hineinfressen. Aber meine Jungs haben das schon ganz gut gemacht. Als der Welpenschutz weg war, musste ich sie streicheln - und als sie eine positive Serie starteten und den Himmel schon gesehen haben, musste ich sie wieder runterholen.

Von wem lernen Sie?

Die Erfahrung muss man selbst machen. Ich bin ja erst seit drei Jahren Trainer - mir kommt’s selber schon so vor, als wenn ich das schon zehn Jahre machen würde, nach allem, was bei 1860 in den letzten Jahren passiert ist. Gerade in dieser Phase habe ich mich extrem weiterentwickelt. Ich habe ja in den letzten Monaten nicht nur den Trainer gemacht, sondern war ja auch eine Art Sportdirektor. Ich habe sehr viel dazu gelernt - das prägt.

Ist 1860 das perfekte Ausbildungszentrum? Wir erinnern an Stefan Reuter, der an der Grünwalder Straße in die Lehre gegangen ist, um später in Augsburg zu den besten Sportchefs in Deutschland aufzusteigen…

Bei 1860 lernt man viel, weil man viele Facetten abdecken muss. Die Gespräche mit den Spielerberatern, die Medienarbeit - das ist alles extremer als in anderen Vereinen. Wir brauchen auch die Presse: Umso mehr wir vertreten sind, umso interessanter sind wir für Sponsoren und Fans. Man rumpelt auch mal mit den Medien aneinander, aber man darf nicht nachtragend sein. Es soll ein Geben und Nehmen sein.

Hat man als Trainer überhaupt Zeit für ein gesundes Familienleben?

Das Gute ist, dass mich meine Familie nicht anders kennt: Ich war als Spieler so, wie jetzt als Trainer. Meine Frau weiß: Wenn ich was mache, dann zu 100 Prozent. Ich weiß das sehr zu schätzen, dass ich diesen Freiraum habe. Aber wenn ich ein wenig Freizeit habe, dann widme ich mich zu 100 Prozent meiner Familie. Ich spiele mit meinen Kinder und schaue mit meiner Frau einen Film an.

Und wie schalten Sie sonst ab?

Sie werden es vielleicht nicht glauben: Auf dem Fußballplatz. Mit der Mannschaft zu trainieren, das gibt mir Power. Und auch die Siege laden den Akku auf.

Im Dezember wollten Sie sich für den Fußball-Lehrer-Lehrgang im Sommer 2018 anmelden - halten Sie an den Plänen fest?

Ich werde mich auf jeden Fall anmelden, damit der DFB mich auf dem Zettel hat. Der Verband hat meine Unterlagen schon. Im März ist die Aufnahmeprüfung und im Juni würde es losgehen. Und dann muss ich mich entscheiden, ob ich wirklich antrete oder es um ein Jahr verschiebe. Die finale Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Was ist, wenn 1860 in die Dritte Liga aufsteigt?

Dann muss ich den Lehrgang antreten - aber wenn wir nicht aufsteigen sollten, dann muss ich mich fragen: Stelle ich alles für ein Jahr für den Verein und die Mannschaft zurück?

Noch immer arbeiten Sie unter ihrem alten “U21-Vertrag” bei 1860 - wann wird der Vertrag angepasst beziehungsweise verlängert?

Herr Fauser ist in Gesprächen mit meinem Berater (Christian Nerlinger, d. Red.). Es wird gerade vom Verein etwas vorbereitet, es müssen auch die beiden Gesellschafter involviert werden. Momentan ist Fakt, dass ich bis 2019 Vertrag habe. Wenn ich einen langfristigen Vertrag bei 1860 unterschreibe, will ich auch eine Perspektive haben. Wenn alle so weit sind, kann’s relativ schnell gehen. Aber es muss auch alles Hand und Fuß haben.

Gibt’s bei 1860 überhaupt eine gesunde Perspektive?

Mit der Mannschaft und dem Umfeld auf jeden Fall. Man darf aber keine großen Sprünge erwarten. Man muss 1860 kontinuierlich aufbauen, in kleinen Schritten. Wir müssen versuchen, uns überall zu optimieren, uns auch im administrativen Bereich verbessern - dann glaube ich, das wir eine Zukunft haben, auf die wir bauen können.

Ihr Wunsch ist ein Sportdirektor an Ihrer Seite. Benny Lauth wäre ein guter Kandidat - das haben Sie uns schon mal bestätigt.

Der Verein hat gesagt, in der Vierten Liga ist das kein Thema. Das akzeptiere ich. Aber Herr Fauser weiß auch: Wenn wir in den professionellen Bereich kommen, ist es notwendig, dass wir eine Position dazwischen schalten - egal ob Geschäftsführer Sport oder Sportdirektor. Wenn wir den Schritt in die Dritte Liga machen sollten, wird das auch so kommen.

Sie haben in dieser Saison schon viele Jobs übernommen: Wäre Mediator nichts für Sie, um die beiden Gesellschafter wieder zusammenzuführen?

Das ist nicht mein Job, da wäre ich nicht groß hilfreich. Die beiden Gesellschafter müssen aufeinander zu gehen, ein Gespräch führen. Das wird auch so kommen - davon bin ich zu 1000 Prozent überzeugt. Herr Reisinger hat der Ismaik-Seite ein Gespräch angeboten.

Wie beurteilen Sie beide Lager?

Ich bin neutral - gegenüber Hasan Ismaik, aber auch dem Verein. Das will ich hier ganz deutlich betonen. Ich lasse mich von keiner Seite einspannen. Politik ist nicht mein Ding, für mich steht 1860 über allem. Ich glaube, dass Hasan Ismaik zufrieden ist, was das Sportliche angeht und auch die Außenwirkung betrifft. Deswegen hat Ismaik auch keinen Grund, sich zu äußern. Ich glaube, er beobachtet derzeit, wie sich 1860 entwickelt.

Beim heutigen DFB-Bundestag in Frankfurt wird die große Aufstiegsreform wohl verschoben.

Ich warte ab, was in Frankfurt passiert - dann sind wir alle ein bisschen schlauer. Aber ich bin immer noch der Meinung, dass alle Regionalliga-Meister aufsteigen müssen. Allein schon wegen der Planungssicherheit. Wenn du über 38 Spieltage auf Platz 1 stehst, dann hast du den Aufstieg einfach verdient. Es kann nicht sein, dass der Meister aus dem Westen direkt aufsteigt und der Bayern-Meister in die Relegation muss oder in die Verlosung muss. Das ist komisch und keine gute Lösung. Chancengleichheit sieht anders aus. Es sollte immer noch nach Qualität gehen und nicht, in welchem Landesverband mehr Fußballvereine sind.

Daniel Bierofka

Noch fünf Heimspiele

Verkauf gestartet: So kommen Sie an Tickets für die restlichen Löwen-Spiele

Für die restlichen Heimspiele des TSV 1860 in dieser Regionalliga-Saison hat der Kartenvorverkauf begonnen. Das Vorrecht haben zunächst die Mitglieder.

Nur noch fünf Heimspiele wird der TSV 1860 in dieser Regionalliga-Saison bestreiten, 24 von insgesamt 36 Spieltagen sind bereits gespielt. Und mit Blick auf die bisherigen Zuschauerzahlen der Blauen ist es kein Geheimnis, dass der Run auf die Tickets für die restlichen Partien immens sein wird. Die Gegner heißen SV Seligenporten, VfR Garching, FC Unterföhring, VfB Eichstätt und FC Augsburg II. Für die abgesagte Begegnung gegen Buchbach, die 2018 nachgeholt wird, gibt es keine Tickets mehr.

Am Freitag um 9 Uhr startete der Vorverkauf für die Löwen-Heimspiele 2018 - allerdings zunächst nur für Mitglieder, die pro Person nur zwei Tickets ordern dürfen. Der freie Vorverkauf der Restkarten erfolgt dann ab Mittwoch, 13. Dezember 2017 um 9 Uhr. Bei Zahlungseingang bis zum Freitag, 15. Dezember 2017, werden die Tickets bis spätestens 20. Dezember 2017 versendet und sollten rechtzeitig vor Weihnachten ankommen, teilten die Löwen mit. Für die restlichen Spiele soll der Unterrang von Block J geöffnet werden, die Kapazität bleibt allerdings bei 12.500.

Wichtiger Hinweis: Wie bei den bisherigen Heimspielen auch können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht alle Tickets restlos verkauft werden. Abhängig von der Verkaufszahl und -einschätzung des Gastvereins könnten auch die restlichen Stehplatztickets an Heimfans verkauft werden. Der TSV 1860 wird das zeitnah schnellstmöglich kommunizieren (Restkarten nur für Block P und Westkurve).

Wie bereits in der Hinrunde enthalten alle Eintrittskarten die kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im Gesamtnetz des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV) und berechtigen den Ticketinhaber bei den Löwen-Heimspielen zur Hin- und Rückfahrt zum Grünwalder Stadion.

fw

Party in Giesing.

Montag, 11.12.2017

Dr. Rainer Koch im Interview

BFV-Präsident: „1860 nicht so weit voraus, dass sie sicher Meister werden“

Der Präsident des BFV hat Lob an Daniel Bierofka und seine Löwen verteilt. Doch Dr. Rainer Koch betonte gleichzeitig auch, dass der Meister-Titel nicht zwingend auf die Löwen gebucht ist.

BFV-Präsident Dr. Rainer Koch zieht ein positives Fazit zum bisherigen 1860-Regionalliga-Auftritt. „Es freut mich, dass es Vereinsspitze und Geschäftsführung gelungen ist, eine Mannschaft unter Profibedingungen in die Liga zu bringen. Das war nach dem Abstieg nicht gesichert. Da hat sich insbesondere auch Daniel Bierofka allergrößte Verdienste erworben. Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, dass 1860 nicht so weit voraus ist, dass sie sicher Meister werden“, so Koch im tz-Interview.

Herr Koch, wie zufrieden sind Sie mit der gefundenen Übergangslösung zur Aufstiegsreform?

Rainer Koch: Zunächst bin ich zufrieden, dass eine Verbesserung erzielt worden ist. Es ist aber nur eine Zwischenlösung und deswegen kann man nicht komplett zufrieden sein. Nach wie vor ist kein Konsens für vier Regionalligen gefunden worden. Vier Aufsteiger aus fünf Ligen ist aber deutlich besser als drei aus sechs.

Warum ist es so schwer, eine Lösung mit vier Regionalligen zu finden?

Koch: Die Probleme werden deutlich, wenn man versucht, vier Regionalligen zu bilden. Für Bayern gibt es nur zwei Möglichkeiten: Bei einer Zusammenlegung mit Baden-Württemberg zu einer Regionalliga Süd wird es schwierig, drei weitere, in etwa gleich große Ligen zu bilden. Wenn man mit Sachsen und Thüringen eine Liga Südost bildet, gibt es Proteste in Ostdeutschland, weil man dort die Nordostligs erhalten möchte. Bayern ist also nicht das Problem. Wenn man vier Ligen bildet, um das Prinzip „der Meister muss aufsteigen“ durchzusetzen, würde das in einigen Teilen Deutschlands - nicht in Bayern - Aufstiegsrelegationen in den Oberligen zur Folge haben, d.h. dann steigen in der 5. Liga nicht mehr alle Meister auf. Das Problem verschiebt sich also nur. Aus diesen Gründen fordern wir, wie es in der gemeinsamen Erklärung aller bayerischen Regionalliga-Vereine – der Wendelsteiner Vorlage – steht, nicht vorrangig eine viergleisige Regionalliga, sind aber auch nicht dagegen.

Werfen wir einen Blick auf die Hinrunde der Regionalliga. Was ist Ihr Fazit?

Koch: Die Liga hat erneut eine hervorragende Hinserie hinter sich. Sie ist sehr attraktiv und die Zuschauerzahlen sind sehr hoch, was auch an 1860 liegt. Das wichtigste Fazit ist aber, dass die bayerischen Vereine wirtschaftlich stabil dastehen. Die Liga gewährleistet, dass sich die Vereine nicht übernehmen müssen.

Gab es eine Überraschung für Sie?

Koch: Ich bin sehr positiv überrascht, wie gut alle Spiele mit 1860 abgewickelt wurden. Das war nicht von vornerein zu erwarten gewesen. Sowohl zu Hause, als auch auswärts, wo sich die kleineren Vereine als hervorragende Gastgeber und Spielorganisatoren gezeigt haben. Ich war in Buchbach und auch in Eichstätt vor Ort. Es hat überall vorbildlich geklappt. Es war auch nicht zu erwarten, dass sich 1860, als jahrzehntelanger Profiklub in dieser Liga so partnerschaftlich mit einfügt und die Fans bei den Auswärtsspielen so viel Verständnis entwickeln würden, dass man zum Teil in großer Enge an den Sportplätzen steht.

Was war für Sie der bisherige Höhepunkt?

Koch: Es gab viele Highlights. Der direkt verwandelte Anstoß von Ingolstadt in Pipinsried ist eines, aber auch der Heimsieg von Buchbach gegen 1860. Ich denke an die Rekordkulisse von Augsburg gegen die Löwen. Herauszuheben ist aber auch, wie gut sich die Aufsteiger Pipinsried und Eichstätt in der Liga zurechtfinden.

Hat Sie es gewundert, dass die Löwen die Liga so gut angenommen haben?

Koch: Es freut mich, dass es Vereinsspitze und Geschäftsführung gelungen ist, eine Mannschaft unter Profibedingungen in die Liga zu bringen. Das war in den schwierigen Tagen nach dem Abstieg nicht gesichert. Da hat sich insbesondere auch Daniel Bierofka allergrößte Verdienste erworben. Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, dass 1860 nicht so weit voraus ist, dass sie sicher Meister werden. Ich erwarte eine spannende Rückrunde.

Wenn die Löwen aufsteigen sollten. Sieht man bei Ihnen dann ein lachendes und ein weinendes Auge?

Koch: Ich freue mich immer mit denen, die aufsteigen.

Haben Sie keine Angst davor, dass die Liga an Attraktivität verlieren würde?

Koch: Die Liga ist seit ihrem Bestehen bestens ohne 1860 ausgekommen und wird es auch dann, wenn die Löwen nicht mehr in der Liga sein werden. Sie hat dann halt wieder ein anderes Gesicht.

Rainer Koch

Löwen-Hammer: NLZ-Chef Schellenberg vor dem Aus

Der Vater der preisgekrönten Jugendarbeit des TSV 1860 soll gehen – weil die aktuellen Nachwuchsteams schwächeln.

Die Absage des Totopokal-Spiels in Bayreuth hat dem TSV 1860 eine vorzeitige Winterpause beschert. Nach einem turbulenten Jahr, das im historischen Doppelabstieg gipfelte, schien der Tabellenführer der Regionalliga wenigstens vor einer friedlichen Winterpause zu stehen. Das aber wären nicht die Löwen.

In die vorweihnachtliche Ruhe platzt eine Nachricht, die für Außenstehende nur eine Randnotiz sein mag, für den Verein aber eine Hiobsbotschaft nicht absehbaren Ausmaßes darstellen würde: Nachwuchsleiter Wolfgang Schellenberg, 46, steht vor dem Aus.

Schellenberg „geschockt“

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte der verdiente Talentsichter die mehr als überraschende Entwicklung. Zwar sei noch nichts fix, in einem persönlichen Gespräch aber habe ihm Geschäftsführer Markus Fauser eröffnet, dass der Verein künftig ohne ihn planen möchte. Schellenberg zeigte sich „geschockt“ – zumal die Begründung ebenso skurril wie hanebüchen klingt: Ausbleibende Erfolge werden dem NLZ-Leiter angekreidet. Dabei ist Schellenberg hauptverantwortlich dafür, dass sich die Löwen trotz zuletzt schon schwieriger Jahre im Nachwuchsbereich stets an der nationalen Spitze behaupten konnten.

Noch im Mai 2016 scheiterten die A-Junioren erst im Halbfinale an Borussia Dortmund, das Nachwuchsleistungszentrum blieb trotz des Absturzes mit drei Sternen – der höchstmöglichen Klassifizierung – zertifiziert. Von Julian Weigl über Marius Wolf oder zuletzt Felix Uduokhai und Florian Neuhaus wurden unzählige 1860-Talente unter Schellenbergs Verantwortung ausgebildet. Mehrfach retteten Notverkäufe von Eigengewächsen die Lizenz. Als Trainer errang Schellenberg 2006 mit der U 17 um die Bender-Zwillinge den bis heute einzigen deutschen Meistertitel im Nachwuchsbereich für den TSV 1860.

Dass auch die beiden Abstiege der U 17 sowie der U 19 im Sommer zweifelsohne in seinen Verantwortungsbereich fallen, räumt Schellenberg ohne Umschweife ein. Neben der ohnehin komplizierten Kaderplanung für die Erste Mannschaft, die er nach dem Doppel-Abstieg zusammen mit Trainer Daniel Bierofka vornahm, übernahm der NLZ-Leiter zusätzlich noch das Traineramt bei der U 19. Zuletzt habe er selbst, so Schellenberg, wegen der enormen Belastung mit dem Gedanken gespielt, „ob ich das alles noch brauche“. Zumindest einen Posten als Juniorentrainer hätte er gerne behalten, ist Schellenberg nach insgesamt 13 Jahren an der Grünwalder Straße doch auch ein bekennender und leidenschaftlicher „Blauer“.

Sein Verlust jedenfalls wäre für den Verein ein abschließender Tiefpunkt im turbulentesten Jahr der Vereinsgeschichte.

Matthias Horner

Wolfgang Schellenberg

Planungen beim TSV 1860

Der Löwen-Hammer! Bierofka-Intimus steht vor dem Aus

Vorweihnatszeit und besinnlich? Nicht beim TSV 1860! Einem Medienbericht zufolge planen die Löwen künftig ohne NLZ-Leiter Wolfgang Schellenberg. Dieser gilt als Intimus von Chefcoach Daniel Bierofka und als einer der Retter aus dem turbulenten Sommer. Markant: Erst jüngst war mit Christian Wörns ein ehemaliger Nationalspieler als Jugendtrainer verpflichtet worden.

Die besinnliche Weihnachtszeit steht an, beim TSV 1860 wird es aber schon nach dem zweiten Advent wieder turbulent. Und das, obwohl für die Löwen-Mannschaft in der Regionalliga Bayern und Chefcoach Daniel Bierofka gerade erst die knapp viereinhalbwöchige Winterpause begonnen hat.

Intimus von Daniel Bierofka

Hintergrund ist, dass ein Intimus von Bierofka den Klub offenbar bald verlassen muss. Ein unermüdlicher Tüftler, der im Hintergrund immens wichtige Arbeit leistete und noch im Sommer während des Doppelabstieges einer der Retter in Giesing war. Die Rede ist von NLZ-Leiter Wolfgang Schellenberg. Jenem Mann, der gemeinsam mit Bierofka im Express-Tempo nach dem Absturz in die Regionalliga eine Mannschaft zusammenstellte und zeitweise trotz enormer Belastung auch die U19 der Sechzger trainierte.

Die Verdienste des 46-Jährigen sind nicht hoch genug anzurechnen. Seit 13 Jahren arbeitet er für die Giesinger. Nun also soll bald Schluss sein. Das bestätigte Schellenberg auf Nachfrage dem Merkur und sagte der Zeitung, er sei "geschockt" über die Entwicklungen. Demnach habe ihm Geschäftsführer Markus Fauser bereits gesagt, dass die Löwen künftig ohne ihn planen wollten.

Große Identifikation mit dem TSV 1860

Ausbleibender Erfolg sei als Grund genannt worden. Zwar waren in der vergangenen Saison sowohl die U17 als auch die U19 aus der Bundesliga abgestiegen. Dass der Schock tief sitzen dürfte, ist dennoch nachvollziehbar.

Partner von Chefcoach Daniel Bierofka: NLZ-Leiter Wolfgang Schellenberg (li.) und Geschäftsführer Markus Fauser.Partner von Chefcoach Daniel Bierofka: NLZ-Leiter Wolfgang Schellenberg (li.) und Geschäftsführer Markus Fauser. (Foto: imago/MIS)

Schließlich wird Schellenberg in der Grünwalder Straße eine große Identifikation mit dem Löwen nachgesagt. Unter seiner Regie wurden Talente entwickelt, die zu Nationalspieler reiften: Kevin Volland, Julian Weigl, Fabian Johnson, und die Bender-Zwillinge etwa. Zuletzt im Sommer brachten die Transfers der Talente Felix Uduohkai (zum VfL Wolfsburg) und Marin Pongracic (zu Red Bull Salzburg) dem Klub kolportiert zusammen mehr als zwei Millionen Euro ein.

Erst jüngst Christian Wörns verpflichtet

Geld, das enorm mithalf, den Etat für die nächsten zwei Jahre sicherzustellen. Markant: Jüngst erst war mit Christian Wörns ein Jugendtrainer verpflichtet worden, der die Nachwuchsarbeit in der U19 und U21 koordinieren soll. Der ehemalige Nationalspieler dürfte nicht für eine Aufwandsentschädigung nach Giesing gekommen sein. Und so bleiben viele Fragen, besinnlich ist bei Sechzig indes selbst die Weihnachtszeit nicht.

Wolfgang Schellenberg

Wird ER Schellenbergs Nachfolger?

Die Zeichen stehen auf Abschied: Jugend-Boss Wolfgang Schellenberg, der seit 1997 mit kurzen Unterbrechungen für den TSV 1860 arbeitet, wird den Regionalliga-Tabellenführer mit ziemlicher Sicherheit verlassen. Der Vorwurf der Geschäftsleitung an den 46-Jährigen: Anhaltende Erfolglosigkeit im Nachwuchsbereich.

Tatsache ist: Der Doppel-Abstieg der U19 und U17 im Sommer war der negative Höhepunkt - der sofortige Wiederaufstieg in die Bundesliga kann nur noch die U17 schaffen. Auch in den unteren Jahrgängen ist längst der Wurm drin. Sogar die SpVgg Unterhaching hat die Löwen mittlerweile überholt.

Das Problem: Die Löwen können mit den anderen Nachwuchsleistungszentren kaum mehr mithalten - und das nicht nur sportlich, sondern auch bei der Infrastruktur bieten Klubs wie Bayern, Augsburg oder Ingolstadt deutlich mehr als das über Jahre preisgekrönte NLZ der Löwen. “1860 muss dringend was machen, sonst verliert der Verein den Anschluss”, erklärte ein ehemaliger Jugendtrainer der Löwen gegenüber dieblaue24: “Gut ist, dass die Plätze am Trainingsgelände neu sind - das ist positiv. Aber der ganze Trakt des Jugendinternats ist nicht mehr zeitgemäß: Die Kabinen sind klein und finster, auch die Zimmer sind nicht mehr zeitgemäß. Damit lockst du keinen Spieler mehr aus Niederbayern an. Und mit der Durchlässigkeit brauchst du nicht mehr werben: Die Löwen spielen in der Regionalliga - das ist kaum mehr interessant. Was sich in der Branche außerdem rumspricht: Du hast fast nur noch Theoretiker als Trainer - das turnt viele ab.” Investor Hasan Ismaik machte vor einigen Monaten noch den Vorschlag, die Jugendarbeit im großen Stil auszubauen - doch der Jordanier stieß an der Grünwalder Straße auf taube Ohren. Stattdessen will der e.V. auch noch die U19 unter seine Obhut nehmen…

Wer folgt auf Schellenberg, der einen unbefristeten Vertrag bei 1860 hat und zudem im Betriebsrat sitzt? Nach dieblaue24-Informationen ist Dieter Märkle ein ganz heißer Kandidat. Der 55-jährige gelernte Polizist ist derzeit für die Nachwuchsarbeit bei den Stuttgarter Kickers verantwortlich. Märkle leitete aber auch schon drei Jahre das NLZ des FC Augsburg. Von 2008 bis 2010 betreute Märkle die U21 des TSV 1860 - kommt’s jetzt für den Schwaben zum überraschenden Löwen-Comeback?

Dieter Märkle

Fans fordern: "Schelle muss bleiben!"

Über Jahre hat Jugend-Boss Wolfgang Schellenberg (46) mit seinem Auge und Fleiß möglich gemacht, dass der TSV 1860 - wie im Fall Julian Weigl - Millionen-Ablösesummen generieren konnte. Auch damit wurde Jahr für Jahr die Lizenz gesichert.

Jetzt soll ausgerechnet dieser Schellenberg nach 20 Jahren den Verein verlassen. Viel ist in den letzten Jahren im Nachwuchsbereich schief gelaufen, u.a. der Doppel-Abstieg der U19 und U17 im vergangenen Sommer - doch diesen Absturz allein an dem 46-Jährigen festzumachen? Das gefällt vielen Fans nicht. Unter dem Motto “Schelle muss bleiben” haben jetzt Anhänger eine Foto-Collage mit den Bender-Twins, Marius Wolf, Fabian Johnson, Timo Gebhart, Florian Neuhaus, Kevin Volland und Weigl angefertigt, die den Verein in dieser wichtigen Personalie zum Umdenken bewegen soll.

Allerdings wird dieses Bemühen wohl ins Leere laufen, weil beide Seiten offenbar bereits signalisiert haben, in Zukunft getrennte Wege gehen zu wollen.

Bei vielen Fans beliebt. Wolfgang Schellenberg

Der Trainer blickt voraus

Bierofka gibt dem Grünwalder keine Zukunft - „Fußball ist nicht nur Nostalgie“

Nostalgie pur“ sei das Grünwalder Stadion, erklärte Daniel Bierofka im kicker-Interview. Doch das reiche für die Zukunft nicht.

Die Rückkehr ins Grünwalder Stadion und der Auszug aus der ungeliebten Allianz Arena wurde von den Fans gefordert. Für den Löwen-Trainer Daniel Bierofka ist das aber keine Lösung für die Zukunft. Im Interview mit dem Fußballmagazin kicker begrüßte Bierofka (38) zwar die Entscheidung zur Rückkehr in das Grünwalder Stadion - machte sich aber auch Gedanken um die Zukunft.

Bierofka: Kapazität reicht nicht für Profifußball

Das Grünwalder Stadion sei „Nostalgie pur“ und hebe den Verein „von dem Trend zum Kommerz“ ab, so der Coach von 1860 München. Für die Regionalliga sei es die richtige Lösung gewesen, „um auch wieder positive Energie in den Verein zu bekommen“. Der Trainer erkennt aber auch die Grenzen der Kult-Spielstätte: „Wenn du wieder in den bezahlten Fußball willst, dann reicht das Grünwalder Stadion nicht. Sowohl von der Kapazität her als auch was die Vermarktungsmöglichkeiten betrifft. Fußball ist ab einem gewissen Bereich eben nicht nur Notalgie, sondern auch Geschäft“, so Bierofka im Gespräch mit dem kicker.

Zwar glaube er daran, dass bei einem Aufstieg in die 3. Liga auch eine Erweiterung auf 18.500 Zuschauer möglich wäre, aber sollte der Aufstieg in die Zweite Bundesliga gelingen, müsse eine „Übergangslösung“ her. „Ob das dann das Olympiastadion ist, muss man sehen“, so Bierofka.

Vorbereitungen „für den Fall X“

Damit es mit einem Aufstieg klappt, würde ein Mitarbeiter jetzt die möglichen Gegner in der Relegation beobachten. Es wäre fahrlässig, wenn man sich nicht „für den Fall X vorbereiten“ würde, erklärte der Löwe. Dass man überhaupt als Meister in die Relegation müsse, sei eine „unmenschliche Bestrafung“ und „grenzwertig“. Bierofka forderte im kicker, dass jeder Regionalliga-Meister automatisch aufsteigen dürfe.

mag

Daniel Bierofka, Nostalgie ja, aber ....!

Trainer-Legende im Interview

Wettberg: "Sechzig muss zurück in den Profifußball!"

Karsten Wettberg spricht im AZ-Interview über seine Spendensammlung für Olaf Bodden, die Löwen nach dem Absturz in die Regionalliga und den neuen Hype.

Karsten Wettberg weiß, wie man es vom Amateurfußball in die Profiliga schafft: Der 76-Jährige führte als Trainer die Löwen Anfang der Neunziger von der Bayernliga in die 2. Liga.

AZ: Herr Wettberg, die Sechzger-Ultras "Münchner Löwen" haben beim 3:0-Sieg gegen den SV Schalding-Heining für den einstigen Torjäger Olaf Bodden, der am Chronischen Erschöpfungssyndrom erkrankt ist, gesammelt. Am Samstag wurde die Summe verkündet, die Bodden über Sie erreichen wird: 5133,94 Euro.

 KARSTEN WETTBERG: Es ist eine tolle Sache, wie viel da zusammengekommen ist. Das Schöne ist ja: Bei den Fans ist Olaf unvergessen. Aber auch der Verein hilft mit der Sonder-Edition seines Trikots zu seinen Gunsten und die "Unternehmer für Sechzig" spenden 1860 Euro. Ich war in den letzten drei Wochen auch mit vielen Fanklubs in Kontakt und habe sie um Unterstützung gebeten.

Sie sammeln bereits seit Jahren, stehen mit Bodden in Kontakt. Wie geht es ihm?

 Sein Gesundheitszustand ist unverändert, er ist wegen der teuren Medikamente weiter auf Hilfe angewiesen. Mental ist er zur Zeit gut drauf, sicherlich auch, weil sein Umzug geklappt hat: Er wohnt jetzt in Trudering. Er musste lange suchen, weil er ja leider auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Sie selbst waren gegen Schalding-Heining im Grünwalder Stadion. Wie fällt Ihr Fazit in der Winterpause aus?

 Nach dem Abstieg stand es schlimm um Sechzig. Keiner wusste, wie es weitergeht. Man muss schon sagen: In sportlicher Hinsicht haben es alle Beteiligten gut in den Griff bekommen – hauptsächlich natürlich einer.

Sie meinen Daniel Bierofka?

 Genau, das hätte außer ihm keiner so hinbekommen. Es war ein absoluter Glücksfall, dass er drei Viertel der Mannschaft aus der U21 zusammenstellen konnte. Diesen Kern hat er sinnvoll verstärkt. Es ist sein Verdienst, dass Sechzig lebt und Tabellenführer ist. Die Meisterschaft ist aber noch nicht fix. Der FC Bayern II wird meines Erachtens der Gegner sein. Über die Relegation brauchen wir nicht zu diskutieren: Das sind absolute Endspiele, da gibt es nur harte Brocken.

"Um die Jugendmannschaften steht es nicht gut"

Viele fürchten, dass der entstandene Hype um Sechzig wieder abflacht, wenn der Aufstieg nicht gelingt.

 Ich sage: Sechzig muss zurück in den Profifußball! Das sagen auch viele Fans, mit denen ich gesprochen habe: Keiner will einen TSV Grünwald – den es ohnehin schon gibt. Auch keinen TSV Giesing. Die Löwen gehören in die Bundesliga.

In Ihren Worten schwingt der Vorwurf mit, dass manche Entscheidungsträger die Zukunft in der Regionalliga sehen. Präsident Robert Reisinger etwa wurde das immer wieder vorgeworfen, obwohl er den Aufstieg als Ziel ausgegeben hat.

 Das nehme ich ihm auch ab. Ich denke, es ist ihm bewusst geworden, dass es gar nicht anders geht. Was mir große Sorgen macht, wenn es nicht klappen sollte: Um die Jugendmannschaften steht es nicht gut. Bei der U19 ist der Zug nach der Niederlage gegen Tabellenführer FC Ingolstadt schon abgefahren. Wir haben quasi keinen Nationalspieler mehr in der Jugend und stehen schlechter da als Unterhaching. Es gibt bald kein Nachwuchsleistungszentrum mehr, wenn Sechzig nicht wieder Profifußball spielt.

Bierofka hat kürzlich an die Vereinsbosse appelliert, eine mittelfristige Perspektive aufzuzeigen.

 Allzu verständlich! Die braucht er für sich, denn sonst hat auch er irgendwann keine Lust mehr, sich aufzuopfern. Die braucht aber auch der ganze Verein.

Fragt sich nur, wie die angesichts der schier unüberwindbaren Dissonanzen mit Investor Hasan Ismaik aussehen soll.

 Ich bin der Meinung, dass sich beide Seiten – und vielleicht eine dritte – an einen Tisch setzen sollten. Die Vereinsvertreter, Ismaik, warum nicht auch Gerhard Mey, wenn er schon als potenzieller Investor Interesse an 1860 hat? Am besten Ismaik und Mey als stille Teilhaber, neben Bierofka Leute vom Fach am Werk, vielleicht noch den ein oder anderen Ex-Spieler mit Löwenblut. Aber da ist wohl der Wunsch Vater des Gedankens.

Karsten Wettberg